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Das Zwiebelmuster

Meissen, um 1733

Zum Dekor

Das Zwiebelmuster ist der bekannteste Dekor der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen. Um 1730 entworfen, wurde es schnell zu einer begehrten Handelsware. Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert feierte das Zwiebelmuster seine größten Erfolge. Lange Zeit war es Teil der Blaumalerei und lediglich unter der Bezeichnung „blau weiss ordinaire Porcelaine“ gelistet. Die Bezeichnung „Zwiebelmuster“ statt „Blaue ordinäre Malerei“ wurde nach 1850 geläufig. Der Name „Zwiebelmuster“ beruht jedoch auf einem Irrtum der Blaumaler. Sie interpretierten die ursprünglich chinesische Melone neben dem Pfirsich auf der Tellerfahne als Zwiebel.

von links nach rechts und von oben nach unten: China 1720-1740; China 1730-1740; China 1740-1750; China um 1750

Entwicklungsgeschichte

Aufgrund der allgemeinen Begeisterung für ostasiatische Kunst und Kultur, besonders für die blau bemalten ostasiatischen Porzellane, entsprach das Zwiebelmuster ganz dem Zeitgeschmack. Im Dekor finden sich aus China stammende Pflanzen, Blumen und Früchte: Bambus, Chrysantheme, Päonien- und Lotusblüten auf dem Tellerspiegel; Granatapfel, Melone, Pfirsich und Zitrusfrucht auf der Tellerfahne. Zwischen 1730 bis 1739 sind verschiedene Früchtekombinationen auf dem Tellerrand nachweisbar. Durch zunehmende Stilisierung entfernte sich der Dekor immer mehr von seinen Anfängen. Um 1770 bildete sich das noch heute bekannte, standardisierte Muster mit den zwei Fruchtformen Pfirsich und zwiebelförmige Melone in vierfachem Wechsel heraus.

von links nach rechts und von oben nach unten: "Fächermuster", Meissen, um 1878; "Goldschattiert mit Goldrand", Meissen 1745-1750; Zwiebelmuster Rosa, Meissen vor 1888; Graffscher Dekor, Meissen, um 1878

Vorbilder

Die Entstehungszeit des Zwiebelmusters wurde in Fachkreisen lange stark diskutiert. Inzwischen stimmt man darin überein, dass es erste Varianten bereits um 1730 gab. Neueste Forschungen zeigen, dass sich für das Zwiebelmuster kein Vorbild in der umfangreichen Porzellansammlung Augusts des Starken fand. Die Meissener Blaumaler nahmen offenbar sowohl die vom chinesischen Porzellan als auch die von der Fayence kommenden Anregungen auf und wandelten sie individuell ab.

Weiterentwicklung

Der klassizistische Zeitgeschmack führte um 1800 zu einer Blaumüdigkeit in Meissen und zu einem Rückgang der Verkaufszahlen. Um 1830 wuchs das Interesse am Zwiebelmuster wieder und es begann eine neue Ära. Ein Zwiebelmusterboom wurde ausgelöst, der bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts reichte. Um neue Käuferschichten zu erschließen und am Erfolg des blau-weißen Zwiebelmusters teilzuhaben, wurden Ende des 19. Jahrhunderts neue Blau- Dekore entwickelt. Der Direktor der Königlichen Kunstgewerbeschule Dresden, Carl Ludwig Theodor Graff etwa entwarf eine neue Blau-Weiß-Malerei (1879). Ebenfalls in diesem Jahr entstand das „Fächermuster“, blau-weiß, angelehnt an das Zwiebelmuster. Die Maler experimentierten mit Unterglasurblau, Scharffeuerblau, Königsblau oder Aufglasurfarben. Ludwig Philipp Georg Sturm etwa schuf mit der Gold- und Platinmalerei auf königsblauem Fonds eine Malerei auf Monumentalvasen. Eduard Braunsdorf variierte bei seiner monochromen Blumenmalerei mit unterschiedlichen Blaunuancen. Unterglasurblaue Malereien, das klassische Zwiebelmuster und Elemente davon in neuen Dekoren finden sich bis heute im Sortiment der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen.