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Zur Geschichte des ostasiatischen Porzellans und dessen Einflüsse auf Meissen

Porzellan mit Seladonglasur, China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644 - 1911), Ära Kangxi (1662 - 1722) (C) Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Foto: Adrian Sauer
Porzellan mit Seladonglasur, China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644 - 1911), Ära Kangxi (1662 - 1722) (C) Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Foto: Adrian Sauer

China

Schon seit über 4.500 Jahren beherrschen die Chinesen die Töpferkunst. Die Entdeckung des Porzellans im 7. Jahrhundert erfolgte eher zufällig. Die Übergänge von dem hellen Feinsteinzeug hin zum zunächst grauen und wenig transparenten Porzellan waren fließend. Die größte Wertschätzung erlangte vor allem die Seladon-Keramik der Song-Dynastien (960-1279). Das Interesse lag hier auf der Form. Reliefdekore wurden in den Scherben eingeritzt, eingeschnitten oder eingepresst. Die typische Grünfärbung reichte vom wässrigen Lauchgrün bis zum kräftigen Flaschengrün oder Graugrün.

Schale mit familie verte, China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644 - 1911), Ära Kangxi (1662 - 1722) (C) Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

Von der Form zur Dekoration

Durch den Einfluss mongolischer Fremdherrschaft (1279-1368) verlagerte sich das Interesse an der Form auf die Dekoration. Die Erfindung der kobaltblauen Unterglasurdekoration, die direkt auf den getrockneten Formling gemalt wurde, leitete diesen Wandel ein. Dekoriert wurden die Objekte etwa mit Drachen, Päonien, Chrysanthemen oder stilisierten Landschaften. Die Malerei auf Keramiken erreichte ihre erste Blüte im 15. Jahrhundert. Vor allem die Manufaktur in Jingdezhen bewirkte eine kontinuierliche Produktion. Sie lag strategisch günstig am Fluss Yangtse. Viele Handelsrouten kreuzten sich dort. Es gab genügend Brennholz für die Feuerung der Öfen und die Materialien für die Keramikproduktion direkt vor Ort. Roter Ton auf der einen Seite für Brennöfen und Muffeln sowie weißer Ton auf der anderen Seite für die Keramiken. So wurde Jingdezhen das Keramikzentrum Chinas.Während der Ming- und Qing-Dynastien (1644-1912) entstand eine Vielzahl an Dekorationstechniken, die die japanischen und europäischen Künste im 18. Jahrhundert erheblich beeinflussten. Die technische Vervollkommnung führte schließlich zu fließbandartiger Massenproduktion. Um 1800 war der für das chinesische Porzellan typische Fundus an Formen und Dekoren erreicht.

Porzellan Ostasien Brennofen
Blick in einen Brennofen

Masse und Brand

Das chinesische Porzellan besteht aus Kaolin, Feldspat und Quarz. Es wird nur einmal gebrannt. Die hohen Brenntemperaturen zwischen 1250 und 1300 Grad Celsius verschmelzen Material und Glasur untrennbar miteinander. Für die Chinesen besaß das Porzellan lange nicht die Bedeutung wie für die Europäer. Ein eigenes Wort für Porzellan gab es in China nicht. Es bildete sich die Bezeichnung Tz’u heraus, das so viel bedeutet wie hochwertiges Steinzeug mit Glasur. Es wird zwischen Steingut, das bei ca. 600-800 Grad Celsius gebrannt wird, und Steinzeug, gebrannt bei 1000-1300 Grad Celsius, unterschieden. Jede Art Keramik setzt sich aus zwei Grundstoffen zusammen: Die sogenannten Silikate, Flussmittel wie Quarz, Sand oder Feldspat, die bei hohen Temperaturen schmelzen. Und Kalk, das durch Verwitterung von Feldspat, Granit, Porphyr u.a. entsteht und formbar ist, aber nicht schmilzt. Die Flussmittel schmelzen bei etwa 1000-1300 Grad Celsius. Dadurch wird das Steinzeug steinhart und klingt beim Anschlagen. Enthalten die verwendeten Tone genügend Silikate, also Flussmittel und wenig Spuren von Metallen, dann entsteht im Brand zwangsläufig Porzellan.

Schale im Kakiemon-Stil, Japan, Provinz Hizen, Arita, Edo-Zeit,1670-1700. (C) Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

Japan

Japan und China standen schon immer im kulturellen Austausch. Dennoch beginnt die Porzellangeschichte Japans erst 1000 Jahre später als die chinesische. Bis zum 17. Jahrhundert waren in Japan keine Kaolin-Vorkommen bekannt. Erst koreanische Töpfer entdeckten am Berg Izumiyama, unweit der kleinen Stadt Arita, Kaolinlager. Während der japanischen Eroberungsfeldzüge in Korea (1592-1598) wurden sie nach Japan verschleppt und im Nordwesten der Insel Kyûshû angesiedelt. Erste japanische Porzellane mit kobaltblauer Unterglasurdekoration kamen 1616 auf den Markt. Sie standen in Formen und Motiven noch deutlich unter koreanischem Einfluss. Es folgten Porzellane, die stärker an den blauweißen Porzellanen der späten Ming-Dynastie (1368-1644) angelehnt waren. Diese Einflüsse vermischten sich mit nationalen Stilelementen und führten zu den typischen japanischen Formen und Dekorationen.Bürgerkriegsähnliche Volksaufstände in China führten dazu, dass der chinesische Porzellanexport Mitte des 17. Jahrhunderts fast völlig zum Erliegen kam. Somit war Japans junge Porzellanindustrie ein gelegener Handelspartner für die Holländische Ostindische Compagnie. Frühe japanische Porzellane waren somit vor allem Exportporzellane. Begehrt waren Kakiemon-Porzellane und Imari-Brokat-Porzellane.

Kakiemondekor, links: Meissen 1729-31; rechts: Japan, Provinz Hizen, Arita, Edo-Zeit, 1670-1700. (C) Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

Einflüsse auf die Dekore in Meissen

Der Großteil der ostasiatischen Dekore, die in Meissen nachgeahmt wurden, entstanden durch vielfache wechselseitige Einflüsse zwischen den Porzellanherstellern in Arit, den japanischen Zwischenhändlern und den holländischen (Delfter) Fayencemalern und der Niederländischen Ostindischen Compagnie als Auftraggeber. Diese ließ in Arita Porzellane sowohl nach chinesischen als auch europäischen Modellen herstellen. Bei den chinesischen Modellen handelte es sich um Ming-Dekore, die für den europäischen Markt nach holländischem Geschmack extra abgeändert wurden. Die Japaner wurden so mit dem europäischen Geschmack vertraut und stellten von sich aus Porzellane für den Export her. In Holland wandelte man diese japanischen Exportporzellane nochmals ab und entwarf wiederum neue Dekore, nach denen Porzellane in Arita dekoriert wurden. Da die Porzellane im Kakiemon- und Imari-Stil auf dem holländischen Markt im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts noch stark nachgefragt waren, ließ die Compagnie nunmehr Porzellan nach japanischen Dekoren in China fertigen. Darüber hinaus dekorierten holländische Maler unbemaltes ostasiatisches Porzellan im japanischen Stil.